Das Skulpturendepot im Archäologischen Zentrum | © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius; CC NC-BY-SA

Forschung

Die Erforschung der in der Sammlung befindlichen Objekte zählt neben dem Sammeln, der physischen Bewahrung und der Präsentation zu den ureigensten Pflichten eines jeden Museums. Ihr reicher Objektbestand ermöglicht der Antikensammlung hervorragende Ausgangsbedingungen für archäologische Forschungen. Die Sammlung versteht sich deshalb als Forschungsinstitution, die Projekte sowohl in der archäologischen Grundlagenforschung als auch der Feldforschung durchführt. Besonderes Augenmerk wird dabei der Erschließung des Bestandes gewidmet.

Neben den im Folgenden näher vorgestellten Projekten werden restaurierungsgeschichtliche und sammlungshistorische Untersuchungen durchgeführt, teilweise in Kooperation mit dem Exzellenzcluster Topoi, mit dem Sonderforschungsbereich der Humboldt-Universität zu Berlin "Transformationen der Antike" sowie mit dem J. P. Getty Museum in Malibu.

Forschungsprojekte der Antikensammlung

Seit 2006 forschen die Antikensammlung und die Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts Berlin gemeinsam zur größten Badeanlage im kaiserzeitlichen Milet, den Faustinathermen. Im Mittelpunkt des DFG-geförderten Projekts stehen die Veränderungsprozesse, die der in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtete Bau bis zu seiner Aufgabe in byzantinischer Zeit erfahren hat. Die Skulpturenausstattung der Thermen mit ihren zahlreichen paganen Götterbildern (Apoll und die Musen, Dionysos-Satyr-Gruppe, Asklepios, Aphroditen) und Ehrenstatuen ist hierbei einer der wichtigsten Indikatoren für die Transformationen am Übergang von der Kaiserzeit zur Spätantike und frühbyzantinischen Epoche: Manipulationen an den Statuen legen Zeugnis ab von einer Umdeutung im christlichen Sinn, Neuaufstellungen geben Hinweise auf veränderte Sehgewohnheiten und den Umgang mit den Objekten im architektonischen Raum. Darüber hinaus wurde im Rahmen des Projekts der Bau selbst einer minutiösen bauhistorischen Analyse unterzogen, um die in der Erstpublikation von 1928 nur kursorisch behandelten Bauphasen genauer fassen zu können. Gezielte Grabungssondagen inner- und außerhalb des Gebäudes lieferten zusätzliche Hinweise zu Chronologie und Nutzungsveränderungen. Untersuchungen zur Bauornamentik, den Inschriften und Graffiti, zu den Münzen, der Fundkeramik und anderen Kleinfunden rundeten dieses Bild ab.

Laufzeit: 2007–2012
Gefördert furch: DFG

Die Publikation der Ergebnisse ist in Vorbereitung.

Entscheidende Beiträge zur archäologischen Grundlagenforschung leistet seit 1921 das Corpus Vasorum Antiquorum (CVA). Das international angelegte Projekt, an dem zurzeit 27 Länder mitwirken, widmet sich der systematischen Erschließung griechischer und italischer Keramik in Museen und Sammlungen. In Deutschland wird es getragen von der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München.

Die hierbei entstehenden Publikationen gliedern die Objekte nach Vasenformen und Malstilen. Neben einer fotografischen und zeichnerischen Dokumentation enthalten sie eine vollständige Bibliografie, Angaben zur Herkunft, Herstellungstechnik und nachantiken Geschichte, zur figürlichen Dekoration der Gefäße und ihrer Bedeutung sowie eine landschaftliche und chronologische Einordnung. Wenn möglich, werden sie Maler- und Töpferwerkstätten zugewiesen. Naturwissenschaftliche Untersuchungen ermöglichen Aussagen zu Farben und Werkstätten.

Das deutsche CVA – inklusive der drei in der DDR extra gezählten Bände – umfasst bisher 93 Bände, davon allein 12 über die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin.

Die Bände werden im Beazley-Archiv in Oxford digitalisiert und sind über dessen Datenbank www.cvaonline.org im Internet abrufbar. Internationale Kolloquien führen in zweijährigem Turnus Vasenforscher aus mehreren Ländern zusammen.

Liste der bereits erschienenen Bände

Die mit Unterstützung der DFG zwischen 2004 und 2011 erstellte Bilddatenbank "Antike Bronzen in Berlin" ist seit September 2011 online abrufbar. Seit Januar 2012 sind zudem tägliche Aktualisierungen und Ergänzungen möglich. Die neue Datenbank ersetzt die ältere "Bilddatenbank Friederichs" und erschließt in 8.278 Datensätzen den größten Teil der bis zum Jahre 1945 erworbenen Bronze-, Blei- und Eisenobjekte (Bestände und Verluste) der Antikensammlung. Eine Vielzahl von Eingabefeldern ermöglicht den Nutzern neben einer Freitextsuche eine bequeme und zielgerichtete Recherche nach Inventarnummer, Material, Objektgruppe, Fundort, Vorbesitzer, Literatur und anderen Kriterien.

Datenbank "Antike Bronzen in Berlin"

Das Verbundprojekt "Berliner Skulpturennetzwerk. Kontextualisierung und Übersetzung antiker Plastik" ist eine Kooperation der Freien Universität Berlin und der Staatlichen Museen zu Berlin und steht unter der Leitung von Prof. Dr. Johanna Fabricius (Institut für Klassische Archäologie der FU Berlin) und Prof. Dr. Andreas Scholl (Antikensammlung, Staatliche Museen zu Berlin).

Das Projekt wurde von 2009 bis 2012 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunktes "Übersetzungsfunktion von Geisteswissenschaften" (Anwendungsfeld C: "Forschen in und mit Museen") als Teil der Förderinitiative "Freiraum für Geisteswissenschaften" finanziert.

Ziel des Projektes ist die digitale Erfassung und Neupublikation der antiken Skulpturen der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin (ca. 4.400) sowie der neuzeitlichen Gipsabgüsse nach antiker Plastik (ca. 4.000) in den Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin, der Gipsformerei, der Abguss-Sammlung Antiker Plastik der Freien Universität und dem Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin. Die wissenschaftlichen Leitfragen zielen auf eine historisch differenzierte Rekonstruktion antiker Aufstellungskontexte und auf die Gewinnung räumlicher, funktionaler und inhaltlicher Zusammenhänge. Dazu sollen auch die zugehörigen Archivalien und die aktuellen Grabungsdaten erfasst und zusammengeführt werden. Diese Arbeiten werden mit Unterstützung ausgewiesener Fachwissenschaftler durchgeführt.

Angeschlossene Teilprojekte sind die Verknüpfung aller Daten in einem semantischen Kontextbrowser und die Erstellung einer interaktiven 3D-Visualisierung der antiken Stadt Pergamon und seinem Umland (Bestandserfassung der Ausgrabungen, Rekonstruktion der bekannten Stadtanlage, Kontextualisierung der Statuen, Landschaftsrekonstruktion).

Ausgewählte Forschungsergebnisse wurden in der großen Ausstellung "Pergamon – Panorama der antiken Metropole" im Pergamonmuseum (September 2011–September 2012) vorgestellt.

Die Ergebnisse des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekts wurden in Form von Online-Katalogen veröffentlicht, die im Sommer 2013 online gestellt wurden. Mehr.

Die Expertise des "Berliner Skulpturennetzwerkes" soll langfristig innerhalb des aus dem Exzellenzcluster Topoi hervorgehenden "Berliner Antike-Kolleg" verstetigt und in der universitären Lehre fruchtbar gemacht werden.

Netzwerkpartner sind das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Istanbul, die Arbeitsstelle für Digitale Archäologie – Cologne Digital Archaeology Laboratory (CoDArchLab) am Archäologischen Institut der Universität zu Köln, das Zuse-Institut Berlin (ZIB) sowie der Lehrstuhl für Darstellungslehre der BTU Cottbus.

Archäologie, Kunstgeschichte sowie Ethnologie ist seit ihrer disziplinären Etablierung nicht nur das Arbeiten mit Objekten, sondern auch das mit Fotografien gemeinsam, die zu Substituten ihrer Forschungsgegenstände wurden. Ausgehend von der Perspektive der material culture studies betrachtet das Forschungsvorhaben Dokumentarfotografien als dreidimensionale, von historischen Vorgängen geformte Objekte, die als Träger von sedimentiertem Wissen in sozialen und kulturellen Kontexten agieren. Es soll vergleichend untersucht werden, wie sich die Herausbildung der geisteswissenschaftlichen Methoden, die Entwicklung und Verbreitung fotografischer Techniken sowie die Errichtung fachbezogener Fotoarchive in den Jahrzehnten vor und nach 1900 wechselseitig bedingten. Im Zentrum stehen dabei Techniken und Praktiken des wissenschaftlichen Arbeitens an und mit Fotografien. Diese weisen einen doppelten Objektstatus auf: Zum einen bilden sie indexikalisch Objekte ab, zum anderen sind sie in ihrer Materialität selbst manifeste Objekte. Fotografien sind somit zugleich Gegenstand der Forschung als auch ein Werkzeug der Analyse. Das Projekt soll das wissenschaftliche Potenzial der Fotoarchive in Museen, Universitäten und Forschungsinstituten erschließen sowie ein Modell für die fächerübergreifende Vernetzung verschiedener Sammlungen entwickeln. Gleichzeitig kann es neue Erkenntnisse im Hinblick auf Prozesse der Kanonbildung liefern.  

Die Bestände der vier Verbundpartner können prototypisch für den Gebrauch der Fotografie in den drei Disziplinen stehen und erlauben daher Vergleich und Austausch von Methoden und Ergebnissen. Sie sollen aber auch als Einzelfälle betrachtet und kontextualisiert werden. Untersucht werden in der Antikensammlung die Fotodokumentation archäologischer Ausgrabungskampagnen in Europa (Schwerpunkt Griechenland) und Kleinasien. Hierbei liegt der Fokus sowohl auf der wissenschaftshistorischen Auswertung damaliger Methoden, Grabungstechniken und Funddarstellungen, als auch auf der objektbiographischen Betrachtung des Fotos auf seinem Träger als Forschungswerkzeug.  

Dank der im Verbund versammelten Vielfalt an Kompetenzen und Fotoarchivierungspraktiken aus Institutionen unterschiedlicher Natur (Museum, Universität, Forschungsinstitut) können die zentralen Thesen des Vorhabens erarbeitet werden: die spezifische Materialität der Fotografie in ihren vielfältigen Erscheinungsformen, die Veränderungen der Fotografien selbst durch unterschiedliche Nutzungen und Gebrauchsweisen und die Überlagerung der Bildinhalte durch verschiedene wissenschaftliche Fachdiskurse.    

Eine Kooperation des Kunsthistorischen Instituts in Florenz – Max-Planck-Institut (Photothek), der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz (Antikensammlung, Sammlung Fotografie der Kunstbibliothek) und der Humboldt-Universität zu Berlin (Institut für Europäische Ethnologie), gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen der Förderung "Die Sprache der Objekte – Materielle Kultur im Kontext gesellschaftlicher Entwicklungen".

Laufzeit: 01.03.2015 – 28.02.2018  

Wissenschaftliches Team: Dr. Martin Maischberger (Leiter), Dr. des Petra Wodtke (Wissenschaftliche Mitarbeiterin), Victoria Kant (Studentische Hilfskraft)

Die Antikensammlung präsentiert ihre einzigartigen Objekte im Alten Museum, im Pergamonmuseum und im Neuen Museum auf der Museumsinsel Berlin.

Informationen zu Adressen, Öffnungszeiten, Eintrittspreisen und Verkehrsverbindungen finden Sie auf den Seiten dieser Museen.

Bei Fragen rund um Ihren Museumsbesuch wenden Sie sich bitte an die Infoline der Staatlichen Museen zu Berlin:


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Direktor: Prof. Dr. Andreas Scholl
Stellvertretender Direktor: Dr. Martin Maischberger