Profil

Das aus der königlichen Kunstkammer hervorgegangene Ethnologische Museum gehört seit seiner Gründung 1873 international zu den größten und bedeutendsten seiner Art. In seinen Sammlungen befinden sich circa 500.000 ethnografische, archäologische und kulturhistorische Objekte aus Afrika, Asien, Amerika, Australien und der Südsee. Sie werden ergänzt durch 140.000 musikethnologische Tondokumente, 285.000 ethnografische Fotografien, 20.000 Filme und 200.000 Seiten Schriftdokumente. Für zahlreiche seiner Sammlungen gilt, dass sie zu den umfangreichsten und wertvollsten überhaupt zählen.

In naher Zukunft wird das Ethnologische Museum als größter Partner im Humboldt Forum mit seinen neu konzipierten Ausstellungen an den Schlossplatz in der Mitte Berlins umziehen. Aufgrund der Umzugsvorbereitungen ist es ebenso wie das Museum für Asiatische Kunst seit dem 9. Januar 2017 am Standort Berlin-Dahlem geschlossen.

Die ersten Objekte aus Übersee gelangten durch Handelsbeziehungen in die brandenburgisch-preußische Kunstkammer, die im Berliner Stadtschloss untergebracht war. Mit der Ernennung des Bibliothekars und Predigers Jean Henry zum Aufseher, später Direktor der "Königlichen Antiken-, Münz- und Kunstkammer" kehrte ab 1794 erstmals eine gewisse Systematik in deren Bestände ein. 1829 übernahm der Historiker und Hauptmann a. D., Leopold Freiherr von Ledebur, die Leitung der königlichen Kunstkammer. Ihm gelang es, durch Ankäufe ganzer Sammlungen die ethnologischen Bestände weiter zu mehren.

Die Herauslösung von Gemälden und Skulpturen aus dem Schloss und ihre öffentliche Ausstellung in einem bis 1830 eigens erbauten Museum (heute Altes Museum) besiegelten das Ende des alten Kunstkammer-Konzeptes. Die wachsenden Sammlungen und ihre zunehmende wissenschaftliche Bedeutung drängten nach eigenständigen Präsentationen. Hinter dem (Alten) Museum entstand daher ab 1843 das 1855 eröffnete Neue Museum, in dessen Untergeschoss unter anderem die ethnografische Sammlung gezeigt wurde. Im Jahre 1869 übernahm der als Schiffsarzt weit gereiste Gelehrte Adolf Bastian die Stelle des Direktorial-Assistenten der ethnografischen Sammlung. Er bemühte sich unermüdlich darum, die Bestände auszubauen. Bastian gilt als der Begründer der Ethnologie als akademisches Fach: Seit 1869 war er Dozent, später Professor für Ethnologie an der Berliner Universität.

1873 wurde ein "selbständiges ethnologisches und anthropologisches Museum in Berlin" gegründet, das 1886 an der Königgrätzer Straße (heute Stresemannstraße) unter dem Namen "Königliches Museum für Völkerkunde" eröffnete. Seine Sammlung umfasste im Jahre 1880 rund 40.000 Objekte. Adolf Bastian als Gründungsdirektor des Museums verstand dieses primär als wissenschaftliche Institution und Ort zum Aufbewahren der Sammlungen. Die immer größer werdende Raumnot machte es jedoch notwendig, über die Trennung der Bestände in eine Schausammlung und eine "Arbeitssammlung" nachzudenken.

Die Lösung dieses Problems sollte ein großer Museumskomplex in Berlin-Dahlem für die Sammlungen der vier Erdteile Asien, Afrika, Ozeanien und Amerika bringen. Bedingt durch den Ersten Weltkrieg konnte erst 1921 ein Teilgebäude vollendet werden, das als Magazin für die gesamten Bestände genutzt wurde, während im Hauptgebäude in der Innenstadt 1926 eine für ein allgemeines Publikum konzipierte Schausammlung zu sehen war. Diese Ausstellung wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gemeinsam mit den Magazinbeständen an verschiedenen Orten inner- und außerhalb Berlins gelagert.

Nach Kriegsende beschlagnahmten die Alliierten die Sammlungen. Die Sowjetarmee transportierte ihren Anteil der Kriegsbeute nach Leningrad, während die westlichen Alliierten den ihrigen in den 1950er-Jahren an Berlin zurückgaben. Das im Krieg stark beschädigte Gebäude in der Stresemannstraße konnte als Museum nicht mehr genutzt werden und wurde daher 1961 abgerissen.

Die 1957 gegründete Stiftung Preußischer Kulturbesitz ließ das in Berlin-Dahlem vorhandene Gebäude ab 1964 zu einem großen Museumskomplex ausbauen, um dort vorübergehend auch die im Westteil Berlins verbliebenen Sammlungen europäischer Gemälde und Skulpturen unterzubringen. Die ethnologischen Bestände konnten daher nur in reduziertem Umfang präsentiert werden, der sich auf die Sammlungen Altamerikas, der Südsee, Afrikas und von Teilen Ost- und Südasiens beschränkte.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands kehrten auch die zwischenzeitlich in Leipzig gelagerten Teile der sowjetischen Kriegsbeute nach Berlin zurück, insgesamt etwa 55.000 Objekte. Im Jahr 2000 wurde das Museum für Völkerkunde in Ethnologisches Museum umbenannt.

Als ein Produkt der Aneignung der Welt durch die Europäer spiegeln völkerkundliche Museen in Europa eine Haltung, in der sich die Europäer vermeintlich exotischen "Anderen" gegenüberstellten. Das Ethnologische Museum der Staatlichen Museen zu Berlin setzt sich mit dem Erbe und den Konsequenzen des Kolonialismus, mit der Rolle und Perspektive Europas kritisch auseinander. Reflexion des eigenen Standpunkts, Partnerschaften mit den "source communities" in Afrika, Asien, Ozeanien und Amerika sollen einseitige eurozentristische Sichtweisen öffnen, ohne jedoch die gegebenen europäischen Bezüge zu verleugnen.

Das Ethnologische Museum fühlt sich den traditionellen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln verpflichtet, füllt sie aber mit neuen Inhalten. Fragen nach dem kulturellen Erbe und den Zuständigkeiten, Deutungs- und Vermittlungshoheiten (Multiperspektivität, Perspektivwechsel und Mehrstimmigkeit) sowie partizipative Ansätze des Kuratierens, Erforschens und Vermittelns stehen im Vordergrund. Die Sammlungen des Museums werden dabei durch zeitgenössische Ethnografika und Gegenwartskunst sowie alternative Objekte, etwa Digitalisate, ergänzt.

Aufgrund seines Bildungsauftrags versteht sich das Ethnologische Museum mit seinen einzigartigen Sammlungen als Ort lebenslangen Lernens, der kognitive wie sinnliche Erfahrungen ermöglicht. Als Vermittlungsziel gilt es, jenseits eurozentristischer Betrachtungsweisen, das Interesse an Interaktion und interkultureller Begegnung zu wecken und ein globales Verständnis zu fördern.