Der Herbst 2018 wird spektakulär: Das freigelegte Europa

10.08.2017
Martin-Gropius-Bau

Der Kontinent von unten: Das Museum für Vor- und Frühgeschichte und der Verband der Landesarchäologen zeigen 2018 im Martin-Gropius-Bau die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland

Herbst 2018, 1.600 Quadratmeter Ausstellungsfläche, ein Millionenprojekt, das jetzt spruchreif ist: Seit fünfzehn Jahren wird es erstmals wieder eine Ausstellung zur Archäologie in Deutschland geben. Im Berliner Martin-Gropius-Bau sind dann über 1000 herausragende Objekte aus allen Bundesländern zu sehen. Die Federführung für die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ liegt beim Museum für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin und ihrem Direktor Matthias Wemhoff. Ihm geht es vor allem darum, im Rahmen des europäischen Kulturerbejahres, kurz ECHY genannt, zu zeigen, was den nervösen Kontinent einst verbunden hat:

  • Mobilität
  • Austausch
  • Konflikt
  • Innovation

Die Ausstellung will anhand spektakulärer archäologischer Neufunde und durch neue Blicke auf Altfunde deutlich machen, wie in den schriftlosen Zeiten menschlichen Seins die Grundlagen des gegenwärtigen Europa gelegt wurden und ein einzigartiges Netzwerk kultureller Interaktion entstand.

Erstmals wird eine solche Schau auch nicht chronologisch, sondern thematisch konzipiert. So soll beispielsweise im Lichthof des Gropius-Baus an den römische Rheinhafen von Köln erinnert werden, und zwar mit einer 3,50 Meter hohen und 12 Meter langen Spundwand aus mächtigen Eichenholzbohlen, die beim Bau der Kölner U-Bahn vor zehn Jahren ausgegraben wurde und die erstklassig erhalten ist. Die Wand gehörte zur römischen Anlage des Kölner Hafentores, das nun erstmalig eindeutig in das späte 1. Jh. n. Chr. datiert werden kann. Überdies zeigen die etwa zwei Millionen Funde, die im Hafen und der Stadtmauer ans Tageslicht kamen, dass die antike Stadt Köln für Mobilität und Austausch im gesamten römischen Reich stand. Wie sehr mobile Menschen Europa seit jeher prägten, belegen auch Wegstücke und Straßenbeläge aus unterschiedlichen Zeiten und von verschiedenen Orten sowie die Holzreste der Jochpfahlbrücke von Kirchheim-Niederwald (Hessen), die in keltischer Zeit ein Sumpfgebiet über 26 Meter überbrückte.

Und auch für das Thema Migration gibt es schon im Neolithikum Zeugnisse. Die erste Welle aus Südosteuropa bringt eine produzierende, sesshafte Lebensweise mit sich, die sich nach Auskunft der großen Zahl an Kastenbrunnenfunden und anderen Siedlungsfunden der linienbandkeramischen Kultur, die in letzter Zeit vor allem aus den Braunkohlerevieren in Nordsachsen und Nordrhein-Westfalen geborgen wurden, umfassender und in kürzester Zeit in einigen Regionen Mitteleuropas durchsetzt als bisher angenommen und neue Erkenntnisse raumgreifenden frühneolithischen Landneubaus vermitteln. Aber auch frühe Konflikte gab es auf dem Kontinent: Nach gegenwärtigen Forschungsstand wurde die älteste Schlacht Mitteleuropas in der Bronzezeit im Tal des kleinen Flusses Tollense in Mecklenburg ausgetragen. Hier standen sich zwei Kriegsheere gegenüber, die so professionell und auch strukturiert kämpften, wie es sonst nur für Südosteuropa und in der Ilias schriftlich belegt ist.

Noch muss man sich mit der Vorfreude auf all die spektakulären Funde begnügen, denn die Ausstellung startet im September 2018 und wird bis Januar 2019 im Berliner Martin-Gropius-Bau zu sehen sein.