Das Skulpturendepot der Antikensammlung im Archäologischen Zentrum | © Staatliche Museen zu Berlin, Antikensammlung / Johannes Laurentius; CC NC-BY-SA

Wissenschaft & Lehre

Die wissenschaftlichen Mitarbeiter der Staatlichen Museen zu Berlin forschen neben ihrer sammlungsbezogenen Arbeit einrichtungs- wie auch fächer- und themenübergreifend. In diesen interdisziplinär angelegten Forschungsprojekten kooperieren die Staatlichen Museen zu Berlin national wie international mit Universitäten, Hochschulen, Akademien und anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen, beispielsweise in Sonderforschungsbereichen und Exzellenzclustern. Forschungsfelder und Fragestellungen sind dabei in vielfältiger Weise auf die historisch gewachsenen Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin und ihrer Geschichte bezogen.

Gerade die Sammlungen der Staatlichen Museen zu Berlin verfügen als umfangreiche "Wissensarchive" über ein immenses Potential zur Entwicklung von institutionsübergreifender geistes- und sozialwissenschaftlicher Forschung. Diese Untersuchungen können über die eigenen Sammlungen hinausgehen und sich über die Beschäftigung mit Objekten ebenso allgemeinen künstlerischen, historischen, gesellschaftlichen oder interkulturellen Fragen zuwenden.

Die Vermittlung der Forschung, also der Wissenstransfer, stellt für die Staatlichen Museen zu Berlin ein weiteres zentrales Aufgabenfeld dar. Als "Universität der Dinge" unterstützen sie damit die Ausbildung und Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Ein großer Teil der wissenschaftlichen Mitarbeiter und Restauratoren der Staatlichen Museen zu Berlin ist in der Hochschullehre tätig und führt kommende Wissenschaftlergenerationen an die Forschung an und mit den Objekten heran. Wichtige fachwissenschaftliche Kompetenzen werden dabei über die Museen vermittelt.

Seit 2007 sind die Staatlichen Museen zu Berlin am Exzellenzcluster "TOPOI – The Formation and Transformation of Space and Knowledge in Ancient Civilizations" beteiligt. TOPOI untersucht, wie Wissen und Raum als fundamentale Kategorien in antiken Gesellschaften geformt und transformiert wurden. Das Museum für Vor- und Frühgeschichte, das Ägyptische Museum und Papyrussammlung sowie das Institut für Museumsforschung und das Museum für Islamische Kunst sind mit Projekten auch in der zweiten Förderphase des Exzellenzclusters seit November 2012 vertreten.

Eisen als Rohstoff untersucht das Museum für Vor- und Frühgeschichte geografisch und zeitlich übergreifend, von Anatolien im dritten Jahrtausend v. Chr. bis hin zum Norden Zentraleuropas im vierten Jahrhundert v. Chr. Erforscht werden die Verbreitung entsprechender Technologien sowie damit verbundene kulturelle Umwälzungen.

Das Museum für Vor- und Frühgeschichte ist ebenfalls an einem Forschungsprojekt zu Produktion und Distribution von Keramik beteiligt. Dabei werden vor allem anhand von bronzezeitlichem Material aus der größten bislang bekannten prähistorischen Siedlung Europas in Rumänien Produktionsstätten und Verbreitungswege der regionalen Keramik untersucht.

Das Ägyptische Museum und Papyrussammlung ist mit einem Forschungsvorhaben zu den ökonomischen Verhältnissen der altägyptischen Planstadt Tell el-Amarna vertreten. Um ein umfassendes Gesamtbild der wirtschaftlichen Organisation von Tell el-Amarna zu entwerfen, wird die Versorgung mit Agrargütern vor Ort sowie die wirtschaftliche Verflechtung der Stadt, national wie international, mit dem östlichen Mittelmeerraum, der Levante und dem Vorderen Orient bis hin zu den Seewegen über das Rote Meer verfolgt.

Mit der Vermittlung von archäologischer Forschung im Museum beschäftigen sich das Institut für Museumsforschung und das Museum für Islamische Kunst. Im Zentrum stehen dort Architekturfragmente aus sasanidischer und islamischer Zeit. Das Ethnologische Museum beteiligt sich an TOPOI mit Projekten zur Wahrnehmung und Kartierung von Raum in mesoamerikanischen Kulturen.  

 

 

Zusammen mit der Stiftung Preußischer Kulturbesitz sind die Staatlichen Museen zu Berlin maßgeblich beteiligt am Promotionsstudiengang "Material Cultures and Object Studies (MaCOS)" der Berlin Graduate School of Ancient Studies (BerGSAS). Unter dem Dach des Berliner Antike-Kollegs, eines interdisziplinär arbeitenden Zentrums für die Altertumsforschung, ist die Graduiertenschule BerGSAS an der Humboldt-Universität und der Freien Universität Berlin angesiedelt. Sie wurde gemeinsam von der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, dem Deutschen Archäologischen Institut, dem Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, darin vor allem den Staatlichen Museen zu Berlin, konzipiert. Die Graduiertenschule bietet in fünf Promotionsstudiengängen interdisziplinäre Ausbildungsmöglichkeiten für den wissenschaftlichen Nachwuchs.

Der Promotionsstudiengang "Material Cultures and Object Studies (MaCOS)", betreut von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bietet Studienplätze für Doktoranden, die im Bereich der materiellen Kultur alter Zivilisationen forschen. In diesem bislang in Deutschland wohl erstmalig praxisorientiert ausgerichteten Promotionsprogramm werden nicht nur einzelne Kulturräume, Zeithorizonte, Fragestellungen oder Methoden behandelt. Vielmehr ist das verbindende Element die Arbeit am konkreten Objekt. Konservatorische, archivalische oder museologische und informationstechnische Aspekte bis hin zu rechtlichen und politischen Fragestellungen stehen im Vordergrund des Programms, das an den Staatlichen Museen hauptsächlich von der Antikensammlung betreut und gestaltet wird. Die fachwissenschaftliche Ausrichtung der Dissertationen, bei denen normalerweise die Bearbeitung von Artefakten oder Objektgruppen im Fokus stehen, wird hier umfassend praxisbezogen ergänzt.

Die Staatlichen Museen zu Berlin sind mit dem Kunstgewerbemuseum und der Kunstbibliothek am Exzellenzcluster "Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinäres Labor" der Humboldt-Universität zu Berlin beteiligt. Im Zentrum des Exzellenzclusters steht die disziplinenübergreifende Erforschung von Bildverfahren, Wissensstrukturen und ihrer gegenseitigen Bedingung.

Kunstgewerbemuseum und Kunstbibliothek bringen sowohl ihre Expertise bei der Bildforschung als auch ihre umfangreichen Sammlungsbestände in das Exzellenzcluster ein. Im Projekt "Genese und Genealogie" untersucht das Kunstgewerbemuseum die Bedingtheit natürlicher und artifizieller Formen. Anhand von vegetabilen Schmuck- und Konstruktionsformen und deren Wandel in Kunstwerken der Gotik, des Jugendstil und des „Green Design“ fragt das Projekt nach der ideologischen, ästhetischen und funktionalen Bedeutung biologischer Formvorbilder.

Ein Pilotprojekt zur interdisziplinären Erschließung der Gemäldesammlung der Sammlung Modebild - Lipperheidesche Kostümbibliothek mit circa 700 Objekten zur Mode- und Kostümgeschichte aus dem Zeitraum 1450–1900 unternimmt die Kunstbibliothek. Dabei sollen exemplarisch neue Strategien der Zusammenarbeit von Kunstgeschichte, Modegeschichte, Naturwissenschaften, Informationstechnik und Kommunikationsdesign entwickelt werden.

Mit den "Antike(n) im Museum" beschäftigt sich ein Projekt der Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin im Rahmen des Sonderforschungsbereichs "Transformationen der Antike". "Transformationen der Antike" vereint elf sozial- und geisteswissenschaftliche Fächer der Humboldt-Universität zu Berlin sowie eines der Freien Universität Berlin mit den Partnern Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und den Staatlichen Museen zu Berlin. Der Sonderforschungsbereich untersucht die konstitutiven Funktionen der Antike bei der Ausbildung der europäischen Wissenschaftsgesellschaft und ihrer Disziplinen sowie die Rolle der Antike bei der Entstehung mittelalterlicher, neuzeitlicher und moderner kultureller Identitäten und Selbstkonstruktionen. Hinzu kommen die künstlerischen, literarischen, übersetzerischen und medialen Formen dieser Transformationen. Ziel des Sonderforschungsbereichs ist die interdisziplinäre Kontextualisierung der produktiven Aneignungen und Transformationen antiker Wissenschaften und Künste.

Im Zentrum des Projektes "Klassifikation und Pluralisierung: Antike(n) im Museum" der Antikensammlung steht das Museum des 19. und frühen 20. Jahrhunderts als Ort der Transformation von Antike. Es ist als ein "Labor" zur Klassifikation archäologischer Artefakte zu verstehen, in dem durch Ordnen, Darstellen und Erfahren materieller Hinterlassenschaften verschiedener Kulturen eine Pluralisierung von "Antike" bewirkt wurde. Vor dem Hintergrund der Herausbildung alternativer und konkurrierender Antikebilder im 19. Jahrhundert fragt das Projekt nach möglichen Verlagerungen in der Hierarchie der Objektgattungen und nach deren Konsequenzen für die Gestaltung und Ausrichtung von Präsentationsformen. Einen Schwerpunkt stellen dabei konkrete gestalterische Maßnahmen und Klassifikationsmethoden dar, die in ihren wissenschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontexten erforscht werden.