Rolf Jährling, Arthus C. Caspari liest zur Eröffnung des kleinen Sommerfestes Après John Cage die Übersetzung von Maciunas' Manifest Neo-Dada in Music, Theater, Poetry, Art, Galerie Parnass, Wuppertal, 9. Juni 1962

Maciunas' "Learning Machines"

von: 31.10.2003 bis: 11.01.2004

Kunstbibliothek

Die Kunst des vernetzten Denkens besteht darin, den Umgang mit Komplexität zu erleichtern und neue Einsichten zuzulassen. Dieser Denkansatz, der sich in allen Bereichen des Wissens durchsetzt, bestimmt auch die künstlerische Praxis. Im Mittelpunkt der Ausstellung Maciunas' "Learning Machines" stehen drei Dutzend Geschichtsdiagramme, die von dem Fluxus-Initiator George Maciunas zwischen 1958 und 1973 zur Veranschaulichung historischer Kausalitäten entwickelt wurden. Ginge es nach Maciunas, dann gäbe es ohne Anschauung kein wirkliches Verständnis von der Evolution der Kunst. Seine Graphiken, von denen ein Drittel zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert werden kann, versuchen auf unterschiedliche Weise ein "Bild" von Geschichte zu zeichnen, das sich aus Daten und Fakten, aus Lineaturen und Vektoren zusammensetzt. Das Ergebnis scheint wissenschaftlich wie künstlerisch gleichermaßen faszinierend. Es eröffnet nicht nur Einblicke in bislang unbekannte Beziehungen zwischen Jahreszahlen auf der einen und historischen Ereignissen auf der anderen Seite. Es entstehen auch völlig neuartige Formen des Wissenstransfers.

Das Diagramm als Ordnungssystem hilft Vergangenheit überschaubar und erklärbar zu machen. Durch die enge Verflechtung von politischen, kulturgeschichtlichen, ökonomischen, poetischen und ästhetischen Aspekten werden weit verzweigte Zusammenhänge transparent. Maciunas' Schautafeln lassen sich wie ein "Kulturfahrplan" lesen, der zugleich die Rahmenbedingungen für die Fluxus-Bewegung vorgibt. Von der Universalgeschichte wird schließlich die Fluxus-Chronik hergeleitet, die ihrerseits Anspruch auf universelle Gültigkeit erhebt. Anhand der Schemata bestimmt Maciunas immer wieder, wer zum harten Kern von Fluxus gehört und wer zu den ausgeschlossenen Mitgliedern zählt. Das graphische Schaubild nimmt so Züge eines "Schauprozesses" an. Auf diese Weise werden Fragen der Geschichtsschreibung und der Bildpolitik neu gestellt.

Es existiert ein englischsprachiger Katalog von 128 Seiten mit 124 überwiegend ganzseitigen s/w Abbildungen und 2 Postern im Preis von 20 Euro.

Veranstalter:

Kunstbibliothek