Gong Xian (1619-1689): Landschaft. China, Qing-Dynastie (1644-1911), dat. 1684. Blatt 2 aus einem Album mit acht Blättern, Tusche auf Papier, 24 x 24,3 sm. Inv. Nr. 1988-404.2.

Im Liegen eine Reise unternehmen
Chinesische Landschaften

von: 09.03.2010 bis: 12.09.2010

Museum für Asiatische Kunst

Die Landschaftsmalerei gilt als das edelste Genre in der chinesischen Malerei. Besonders die Literatenmaler, Angehörige der konfuzianisch gebildeten Beamtenelite, wiesen ihr den höchsten Rang zu. Die Landschaft erschien ihnen als das geeignetste Medium, ihrem Verständnis vom Wirken der das Universum gestaltenden Kräfte Ausdruck zu verleihen. Nach chinesischen Vorstellungen stehen sich Mensch und Natur nicht konträr gegenüber, sondern sind gleichen Gesetzen und Strukturen unterworfen. Demzufolge strebt der Mensch nach bestmöglicher Einordnung in den Organismus der Natur. Altchinesisches Gedankengut sieht in der Welt einen geordneten Kosmos, dessen hierarchisches Gefüge sich in der Landschaft spiegelt. Naturreligiöse Vorstellungen sahen die Natur außerdem durch überirdische Kräfte belebt.

Vor diesem Hintergrund sind die Eigenheiten der chinesischen Landschaftsmalerei zu verstehen. Traditionell bilden Berge und Wasser die Grundelemente, die die gegensätzlichen, sich dabei jedoch ergänzenden und bedingenden Kräfte des Universums verkörpern. Der Mensch, eher klein dargestellt, wird als ein Bestandteil der Natur integriert. Auch der Betrachter des Bildes ist aufgefordert, dieses im Geiste zu durchwandern, den Schaffensprozess des Künstlers nachzuvollziehen und sich so als Teil des Universums zu begreifen.

Ungeachtet des Kanons stilisierter Formkonventionen, der sich über die Jahrhunderte herausbildete, weist die Landschaftsmalerei eine beeindruckende Vielfalt auf. Die Ausstellung zeigt neben Werken der Literatenmalerei im engeren Sinne auch Bilder der so genannten professionellen Maler, die gelegentlich in einem dekorativen und farbigen Stil mythologische Landschaften gestalteten oder Auftragswerke komponierten, die reale Szenerien wiedergeben.

Viele Künstler sind darüber hinaus nicht in die Kategorien der klassischen chinesischen Kunstgeschichtsschreibung einzuordnen. Die Individualisten in Yangzhou entwickelten abseits der Überlieferung jeweils sehr persönliche Ausdrucksformen; die zur Nanjing-Schule gezählten Maler integrierten westliche Einflüsse in ihre Bilder. Die Albumblätter, Querrollen und Hängerollen entstanden zwischen dem 15. und dem 19. Jahrhundert.

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