Double Vision: Albrecht Dürer & William Kentridge

20.11.2015 bis 06.03.2016
Kulturforum

Ausstellungen ermöglichen in besonderem Maße sinnliche Erfahrung und Erkenntnis. Eine Rolle spielt dabei die Art und Weise, wie Kunstwerke im Raum präsentiert und von den Betrachtern wahrgenommen werden. „Double Vision“ möchte dies anhand ausgewählter druckgraphischer Arbeiten von Albrecht Dürer (1471-1528) und William Kentridge (geb. 1955 in Johannesburg) verdeutlichen.

Über die epochalen und kulturellen Unterschiede hinweg, die beide Künstler trennen, entstehen zwei Visionen druckgraphischer Kunst, die in der Ausstellung in einen dynamischen Dialog gebracht werden. Dabei geht es auch um das Aufgreifen von Bildideen und Motiven des berühmten deutschen Renaissancekünstlers durch William Kentridge, einen der renommiertesten Künstler unserer Zeit.

Im Fokus der Präsentation steht jedoch der ganz eigene Blick beider Künstler auf das Medium der schwarz-weißen Druckgraphik, das sie auf vielfältige Weise ausloten. Eine wesentliche Grundlage bildet dabei der exzellente Bestand an Druckgraphik von Albrecht Dürer im Berliner Kupferstichkabinett.

Die Präsentation der etwa 110 Werke von Dürer und Kentridge gliedert sich in sieben Themenräume, in denen die inhaltlichen, ästhetischen und technisch medialen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der vorgestellten Arbeiten – darunter die monumentale „Ehrenpforte“ von Albrecht Dürer und stereoskopische Werke von William Kentridge – anschaulich gemacht werden. Die besondere Ausdruckskraft schwarz-weißer Bilder wird im Vergleich unterschiedlicher Druckverfahren wie Holz- und Linolschnitt, Lithographie und Radierung sichtbar.

Beim Gang durch die Ausstellung zeigt sich, wie beide Künstler gezielt das spannungsreiche Zusammenspiel von schwarzen Linien und weißem Papier für die Ausformulierung ihrer Bildwelten nutzen. Ausgehend von William Kentridges kritischem Rückblick auf die Moderne, deren Selbstverständnis als rationale und zivilisierte Epoche er in Frage stellt, verändert sich der Blick auf die Kunst Albrecht Dürers, der in seiner Druckgraphik die tiefgreifenden politischen, religiösen, gesellschaftlichen und medialen Umbrüche zu Beginn der Neuzeit reflektierte.

Mit unterschiedlichen Formen des Display erprobt die Ausstellung wechselnde Konstellationen zwischen Betrachtern und Werken und geht damit der Frage nach, wie die Aufmerksamkeit der Besucher für die vielfältigen inhaltlichen und ästhetischen Dimensionen der Werke aktiviert werden kann. Ergänzend gezeigt werden ausgewählte Vergleichswerke weiterer Künstler und filmische Ausschnitte aus William Kentridges Animationsfilmen. Hinzu kommt ein besonderes Führungs- und Begleitprogramm.

Die Ausstellung wird im Rahmen des DFG-Transferprojektes „Evidenz ausstellen“ der Kolleg-Forschergruppe „BildEvidenz. Geschichte und Ästhetik“ der Freien Universität Berlin in Kooperation mit dem Kupferstichkabinett realisiert.

Vom 10. September 2016 bis zum 8. Januar 2017 wird die Ausstellung an der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe zu sehen sein.

http://doublevision-berlin.de


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