Pu Ru (Pu Xinyu, 1896 - 1963), Uferlandschaft, Hängerolle, Tusche und Farben auf Papier, China, um 1940

Die Maler der Familie Pu
Nachfahren des letzten chinesischen Kaiserhauses

von: 01.07.2003 bis: 05.10.2003

Museum für Asiatische Kunst

Kabinett Moderne Chinesische Malerei

 

Die Ausstellung präsentiert 14 Werke von vier Künstlern des 20. Jahrhunderts, die dem mandschurischen Herrscherhaus entstammten, aus der sich die Kaiser der letzten chinesi-schen Dynastie, der Qing, rekrutierten. Pu Jin (Xuezhai, 1893-1966), Pu Xian (Yizhai, 1901-1966) und Pu Quan (Songchuang, 1913-1991) waren Söhne des Prinzen Chun II. und Brüder des unter der Regierungsdevise Xuantong (1908-1912) eingesetzten letzten chinesi-schen Kaisers Pu Yi (1906-1967). Der bei weitem bedeutendste Künstler war jedoch Pu Ru (Xinyu, 1896-1963), ein Cousin väterlicherseits der Genannten. Über die Biographie der Künstlerin Pu Jingqiu (Songhao, 20. Jh.), die ebenfalls mit einem Bild vertreten ist, konnten bisher keine Details in Erfahrung gebracht werden, ihre Zugehörigkeit zur gleichen Familie ist jedoch anzunehmen.
Wie alle Abkömmlinge der kaiserlichen Familie erhielten sie ihre Ausbildung, zu der das Studium der literarischen und philosophischen Klassiker, der Dichtung und der Schriftkunst zählte, durch Privatlehrer im Palast. Durch Herkunft wie durch Erziehung der gelehrten Elite angehörend und mit den Künsten der Dichtung, Schriftkunst, Malerei und Musik vertraut, waren die Nachfahren des Kaiserhauses prädestiniert, die Tradition der Literatenmalerei zumindest formal fortzuführen. Der Zugang zu den Werken der kaiserlichen Sammlung ermöglichte es ihnen, sich direkt an den Bildern und Schriftkunstwerken der großen Meister der Vergangenheit zu schulen. Vor allem Pu Ru entwickelte sich zum führenden Tradi-tionalisten des 20. Jahrhunderts, der sich besonders an der Landschaftsmalerei der Song- (960-1279) und Yuan-Dynastien (1271-1368) orientierte und seinen Stil in einem breiten Spektrum zu höchster Perfektion führte. Dem Kanon der Literatenmalerei entsprechend, bevorzugten die Maler der Familie Pu Darstellungen von Landschaften sowie der "Vier Edlen", Bambus, Winterpflaumenblüte, Orchidee und Chrysantheme.
Im republikanischen China lehrten Pu Jin, der Dekan der Kunst-Fakultät war, und Pu Xian an der Furen-Universität in Peking chinesische Malerei und Kunstgeschichte. Pu Quan war, nachdem er zunächst als freier Maler gelebt hatte, ab 1958 Mitglied der Pekinger Akademie für Chinesische Malerei (Zhongguo Huayuan). Pu Ru galt in den dreißiger und vierziger Jahren als der bedeutendste Maler in Peking und unterrichtete an der dortigen Kunst-akademie. 1946 ging er zunächst nach Hangzhou und 1949 nach Taiwan, wo er zu einem hoch geehrten und einflussreichen Künstler wurde. Er lehrte am Kunst-Institut der Taiwan Universität und prägte die folgende Künstlergeneration nachhaltig.




Veranstalter:

Museum für Asiatische Kunst