20 Werke für das 20. Jahrhundert. Sammlung Pietzsch

21.10.2014 bis 31.12.2014
Neue Nationalgalerie

Von Max Ernst bis Mark Rothko, von René Magritte bis Frida Kahlo - 20 Meisterwerke des 20. Jahrhunderts, ausgestellt hier bis Dezember 2014, verdeutlichen noch einmal exemplarisch die große Qualität und Bandbreite der Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch. Seit 1964 entstand die außergewöhnliche Kollektion, die sich durch zwei miteinander verbundene Schwerpunkte auszeichnet: den europäischen Surrealismus und dessen Rezeption in den USA durch die Abstrakten Expressionisten. Maler wie Jackson Pollock und Mark Rothko griffen die Anregungen emigrierter Künstler wie André Masson und Max Ernst auf und entwickelten sie weiter. Ein herausragendes Beispiel für diesen kunstgeschichtlich bedeutenden Zusammenhang ist das Gemälde "Junger Mann, beunruhigt durch den Flug einer nicht-euklidischen Fliege" (1942-47), in dem Max Ernst Lackfarbe auf die Leinwand tropfen ließ. Er nahm damit die Methode des Dripping vorweg, durch die Jackson Pollock später berühmt werden sollte.

Unter dem Titel "Bilderträume" war die Sammlung 2009 in der Neuen Nationalgalerie ausgestellt und ist seitdem der Nationalgalerie als Schenkung in Aussicht gestellt, mit der einzigen Bedingung, eine repräsentative Auswahl dauerhaft im Zusammenspiel mit Werken der Nationalgalerie zu zeigen. In der Tat würde die Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch in großartiger Weise die Sammlung der Nationalgalerie bereichern und ergänzen: Gerade im Bereich der Klassischen Moderne sind die Verluste durch die verheerende Politik der Nationalsozialisten und durch den Zweiten Weltkrieg besonders groß. Besonders hier, im Bereich der Klassischen Moderne, können jedoch durch die hohen Preise am Kunstmarkt kaum noch Nacherwerbungen getätigt werden. Die Offerte von Ulla und Heiner Pietzsch kann daher als einzigartige, geradezu historische Chance gelten.

Für einen Erweiterungsbau der Neuen Nationalgalerie

Die Neue Nationalgalerie, erbaut 1965-1968 von Ludwig Mies van der Rohe, ist bereits jetzt für die Sammlung der Nationalgalerie zu klein. Die drei aufeinander folgenden Sammlungspräsentationen "Moderne Zeiten", "Der geteilte Himmel" und "Ausweitung der Kampfzone" (2009-2014) haben klar verdeutlicht, dass allein für Hauptwerke zur Kunst des 20. Jahrhunderts die dreifache Sammlungsfläche benötigt wird. Dazu gehören nicht nur herausragende Werke von Klee, Beckmann, Richter und Beuys, sondern auch der große Bestand zur Kunst der DDR - Werke von Heisig, Tübke und Mattheuer. Will man zusätzlich eine Auswahl der Sammlung Pietzsch zeigen, ist der Raumbedarf umso größer.

Ende dieses Jahres wird die Neue Nationalgalerie für eine bevorstehende Sanierung schließen. So glücklich es ist, dass das noble Gebäude endlich restauriert wird, so unglücklich bleibt die Gesamtlage: Wenn die Neue Nationalgalerie nicht durch einen Neubau ergänzt wird, kann die Kunst der Moderne bald wieder nur Ausschnitten gezeigt werden. Dies wäre für Berlin besonders tragisch, hatte Berlin doch einst eine weltweite Vorbildrolle für den Umgang mit der Kunst der Moderne. Im Kronprinzenpalais (Unter den Linden) hatte die Nationalgalerie in den 1920er Jahren eine "Galerie der Lebenden" eingerichtet mit Spitzenwerken von Nolde, Dix, Kirchner, Klee. Dieses museale Konzept wurde weltweit bewundert und zum Ausgangspunkt des berühmten "Museum of Modern Art" in New York. Heute besitzen alle großen Weltstädte ein Museum zur Kunst des 20. Jahrhunderts, nur nicht Berlin. Auch hier, in der deutschen Hauptstadt, braucht es einen ausreichend großen Ort - nicht nur für die ständige Sammlung der Nationalgalerie, sondern eben auch für das großartige Geschenk von Ulla und Heiner Pietzsch, für ihre bedeutende Surrealismus-Sammlung.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat im Sommer 2013 vorgeschlagen, die Neue Nationalgalerie mit einem Neubau am Kulturforum zu ergänzen. Nur dann wäre es möglich, die Sammlung zur Kunst des 20. Jahrhunderts in ihrer Vielfalt wirklich zeigen zu können.

Neue Nationalgalerie

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Wegen umfangreicher Sanierungsarbeiten ist die Neue Nationalgalerie seit 1. Januar 2015 für mehrere Jahre geschlossen.

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